Antigone15.02.2018
Teufelskreis15.03.2018
Unterwerfung28.06.2018

 
 
 
Beschreibungen

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas 19.10.2017
von Joël Pommerat, aus dem Französischen von Isabelle Rivoal
Theaterstücke über die Liebe gibt es wie Sand am Meer. Aber mit dem Titel Die Wiedervereinigung der beiden Koreas?
Et voilà! Und die Originalität dieses komischen und berührenden, melancholischen und zuweilen schwarzen Theaterstücks über die Liebe erschöpft sich nicht im Titel.
In sechzehn pointierten Szenen wirft der französische Dramatiker JoëI Pommerat überraschende Blicke auf das, chemisch gesehen, vielleicht zeitlose, psychologisch, immer im Wandel begriffene Sujet.

Auf dem Flur des Standesamts erfährt eine Braut in letzter Sekunde ungeheuerliche Neuigkeiten über ihren Bräutigam. Ein Priester und eine Prostituierte gehen eine ungewöhnliche Beziehung ein. Ein Paar bekommt unheimlichen Besuch aus der Vergangenheit. Ein Mann besucht seine an Alzheimer erkrankte Frau und sucht nach der Fortsetzung der Liebe.

In jeder der sechtzehn Geschichten spielt sich ein kleines, großes Drama ab. Dramen der Sehnsucht und der Enttäuschung, des Abschiednehmens und des Zusammenbleibens. Und immer wieder: das Drama des komplett Aneinander-Vorbei-Redens.
All diese unterschiedlichen Geschichten verbindet Joël Pommerat durch seinen literarischen Stil, in dem sich Lakonie und Humor, Wahrhaftigkeit und surreale Fantasierlust auf elegante Art die Waage halten, zu einem außerordentlichen Panorama der Liebe in der Gegenwart.

In Frankreich ist Joël Pommerat seit längerem einer der bedeutendsten zeitgenössischen Theaterautoren. Hierzulande ist er erst vor kurzem entdeckt worden. Die deutschsprachige Erstaufführung von Die Wiedervereinigung der beiden Koreas fand 2014 in Linz statt, in Deutschland wurde dieser existenzielle Liebesreigen zum ersten Mal 2015 vom Schauspiel Frankfurt aufgeführt.

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Hänsel und Gretel 29.11.2017
Märchenspiel von Engelbert Humperdinck (Musik) und Adelheid Wette (Libretto)
Es war einmal… Hänsel und Gretel sind wohl das berühmteste Geschwisterpaar der Märchenliteratur, niedergeschrieben von den Gebrüdern Grimm. Von der Mutter zum Beerensammeln in den Wald geschickt, haben Hänsel und Gretel bei der einbrechenden Dunkelheit plötzlich den Weg zurück verloren und es gibt niemanden kein, der ihnen helfen könnte. Nach einem tiefen Schlaf stehen die Geschwister überraschend vor dem sagenumwobenen, verlockenden Knusperhäuschen und die Geschichte über süße Verlockung, Gewalt und Angst einerseits und dem Sieg der Kinder über das Böse andererseits nimmt ihren Lauf.

Ob als Abenteuergeschichte aus Kinderaugen betrachtet, psychoanalytisch als freudsche Metapher gelesen, als Geschichte der Initiation oder als Bild für eine gespaltene Persönlichkeit, die sich in der Dualität des Geschwisterpaares manifestiert, – Hänsel und Gretel ist auf unendlich viele Arten und für alle Altersschichten lesbar. Die Faszination der einfachen, aber packenden Figurenkonstellation ist unverwüstlich.

Passend zur Weihnachtszeit bringt der Allroundkünstler Hinrich Horstkotte (Inszenierung, Bühne und Kostüme) eine Neuinszenierung des Märchen-Klassikers auf die Bühne. Die Begeisterung für Engelbert Humperdincks spätromantische Fassung der populären Vorlage ist zu Recht ungebrochen: Mit einer Mischung aus leidenschaftlicher Dramatik und schlichten Volksweisen schafft es der Komponist, die abenteuerliche Geschichte des Geschwisterpaares in dichter Klangfarbenmalerei zu erzählen. Nicht zu unterschätzen ist die Qualität der feinsinnigen Dichtung von Adelheid Wette, der Schwester des Komponisten. Ursprünglich als private Haustheater-Aufführung geplant, fand Humperdinck bald Gefallen an der Aufgabe und verfasste schließlich ein komplexes Opernwerk, das weit über das Etikett Kinderoper hinausgeht. Am 23. Dezember 1893 durch Richard Strauss in Weimar zur Uraufführung gebracht, gelang dem Stück in wenigen Jahren ein Siegeszug über alle nationalen und internationalen Bühnen, der bis heute ungebrochen ist.

Besetzung:
Solistinnen und Solisten des Musiktheaterensembles und des Opernstudio Niederrhein
Damenchor (Einstudierung: Maria Benyumova)
Kinderchor „Theaterspatzen“ (Einstudierung: Susanne Seefing)
Statisterie des Theaters Krefeld und Mönchengladbach
Niederrheinische Sinfoniker

Vorstellungsdauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause

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Die Faschingsfee 21.12.2017
Operette in drei Akten von Emmerich Kálmán
Eine Autopanne verschlägt eine unbekannte Schöne in die Künstlerkneipe Der grüne Pinsel, die zur Faschingszeit gut gefüllt ist mit amüsierwütigen Bohèmiens, die die Nacht zum Tag machen. Unter ihnen der Künstler Viktor Ronai, der mit seinen Freunden den Sieg eines Wettbewerbs feiert. Viktors Herz entflammt sofort für die elegante Dame, die er kurzerhand zu seiner „Faschingsfee“ ernennt, und er beschützt sie vor den Avancen des aufdringlichen Mereditt. Doch ausgerechnet dieser entpuppt sich kurze Zeit später als Mäzen des Wettbewerbs und verweigert Viktor wutentbrannt das heiß ersehnte Preisgeld.
Als dann auch noch seine Faschingsfee in die Karnevalsnacht entschwindet, ist der eben noch im siebten Himmel schwebende Künstler doppelt enttäuscht: Das Geld ist futsch, die ersehnte Liebe ebenso. Die Feierlaune ist ihm kräftig vergangen. Im Folgenden aber ergeben sich jede Menge turbulente Überraschungen, die Viktors Ringen um sein Glück schlussendlich belohnen und die geheimnisvolle Faschingsfee selbstverständlich in seine Arme führen.
Emmerich Kálmáns Faschingsfee ist ein karnevalesker Operettenspaß, der zeitlich zwischen seinen beiden berühmten Hauptwerken Die Csárdásfürstin und Gräfin Mariza entstand. Nun kommt er endlich auch auf den Spielplan des Gemeinschaftstheaters – genau 100 Jahre nach seiner Entstehung. Am 21. September 1917 fand die Uraufführung der Faschingsfee am Johann-Strauß-Theater in Wien statt. Gemeinsam mit seinen beiden Textdichtern Alfred Maria Willner und Rudolf Österreicher griff Kálmán dafür ungeniert auf sein bereits in Budapest erfolgreich gelaufenes Stück Fräulein Susi zurück, und verwendete weite Teile davon: So steht die Musik der Faschingsfee mit Hits wie Lieber Himmelvater, sei nicht bös oder Liebling, du mein Liebling seinen berühmteren Werken in nichts nach und lässt Schmelz und Charme der Silbernen Operettenära in vollem Glanz erstrahlen.

Erstaufführung am Theater Mönchengladbach.

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Antigone 15.02.2018
Tragödie von Sophokles {497/496 – 406/405 v. Chr.}
Ödipus’ Söhne, Polyneikes und Eteokles, haben sich im Kampf um Theben gegenseitig getötet. Als neuer Herrscher verfügt Kreon, dass Polyneikes, der den Stadtstaat mit seinen Truppen unterwerfen wollte, nicht bestattet werden darf. Antigone, die Schwester der toten Brüder, ist entsetzt.
Weder die von Kreon angedrohte Todesstrafe noch Warnungen ihrer Schwester Ismene können Antigone beirren: Sie beruft sich auf das göttliche Gesetz, das die Ehrung des Toten verlangt und über jeglichem von Menschen erlassenen Gesetz zu stehen habe. Im Staub vor den Toren der Stadt vollzieht Antigone das Totenritual an der Leiche ihres Bruders – voll Überzeugung, das Richtige zu tun.

Kreon, der ebenfalls keinen Zweifel an seiner Entscheidung hat, bestraft seine Nichte Antigone unbarmherzig: Sie soll lebendig in ein Felsengrab eingeschlossen werden. Doch die Stimmung in Theben wendet sich zugunsten von Antigone, und der blinde Seher Teiresias warnt Kreon vor dem Zorn der Götter, der sich schon bald durch eine Kette von Selbstmorden offenbart.

Sophokles schrieb über 120 Bühnenwerke, von denen nur sieben Tragödien und ein Satyrspiel die Jahrtausende überlebt haben. Drei dieser Dramen – König Ödipus, Ödipus auf Kolonos und Antigone – beleuchten das Schicksal des Königshauses von Theben in mythischer Vorzeit. Die darin aufgeworfenen Fragen nach dem Kreislauf von Schuld und Sühne, nach Recht und Unrecht, nach Legitimation, menschlicher Fehlbarkeit und dem Ringen um Selbsterkenntnis sind auch nach über zweitausend Jahren noch aktuell und haben ihre Dringlichkeit nicht verloren.

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Teufelskreis 15.03.2018
Ballett von Robert North | Musik von David Byrne, Michael Jackson, Jean Sibelius, Christopher Benstead, Richard Wagner u. a.
In seinem Handlungsballett Teufelskreis erzählt Robert North mit teils ernstem, teils ironischem Blick von einer Familie und ihren einzelnen Mitgliedern: Mutter, Vater, Tochter, Sohn und Großvater. Angelehnt an unsere heutige Zeit geht es ebenso um die Wechselbeziehungen zwischen den Herausforderungen und Verlockungen der Gegenwart spielen zudem eine zentrale Rolle: Der Teufel – traditionell die Personifizierung des Bösen – treibt wie eh und je sein verführerisches Spiel und verkörpert in Norths Choreografie die negativen Seiten unseres modernen Lebens im Zeitalter der digitalen Revolution: Manipulation durch Massenmedien und soziale Netzwerke, Dauerrausch und virtuelle Abhängigkeit sowie die Flucht aus der Realität sind dabei nur einige Facetten des modernen Belzebub …

Robert North hat für diesen Ballettabend eine Musikcollage aus unterschiedlichen Bausteinen von Barock über Klassik bis hin zu moderner Rockmusik zusammengestellt, die ihm ein breites Spektrum tänzerischer Ausdrucksmöglichkeiten mit großer stilistischer Vielfalt und Vitalität eröffnet.

Der Bühnenraum wurde nach einem Konzept von Manfred Gruber gestaltet.

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Für immer schön 12.04.2018
Noah Haidle {*1978}, Deutsch von Barbara Christ
Jahr um Jahr zieht Cookie, eine geborene Vertreterin, mit ihrem Rollkoffer voller Kosmetika durch die Vorstadtstraßen, um den Frauen ewige Schönheit zu verkaufen. Mögen die Füße auch noch so wehtun, Cookie geht Klinkenputzen, und vor jeder Haustür aufs Neue setzt sie ihr schönstes Lächeln auf.
Ein schlechter Tag mit schlechten Verkäufen? Morgen winkt ein neuer! „Aufgeben liegt dir nicht. Du kennst nicht mal das Wort, Küken“, wie ihre Mutter sagte. In einer surrealen Endlosschleife dreht Cookie ihre Runden durch Suburbia, immer unterwegs, immer optimistisch: „Jeden Morgen wache ich auf und frage das Universum: ‚Welches wundersame Abenteuer hältst du heute für mich bereit? ‘“

„Das Leben einer Handlungsreisenden“ könnte Haidles Stück auch heißen, Arthur Millers Klassiker von 1949 schimmert durch die Seiten. Und als erstes stellt man fest, dass es ein gutes halbes Jahrhundert später härter zugeht – in der Welt, auf dem Theater – wortkarger, grotesker.
Zugleich entzieht sich die Heldin Cookie aber jedem Vergleich, so eigenartig wie sie ist, ausgestattet mit einem rosaroten Optimismus, der leicht zu verspotten wäre, wären da nicht diese Leidenschaft, diese Energie und eine beinah tragisch zu nennende Würde.

Noah Haidle wurde 1978 im gleichen Grand Rapids, Michigan, geboren, in dem er auch sein Stück Everything Beautiful – Für immer schön ansiedelt. Seine Stücke werden USA-weit inszeniert, im deutschsprachigen Raum wurde Haidle 2009 mit seinem Stück Mr. Marmalade bekannt. Haidles erstes Drehbuch wurde mit Al Pacino und Christopher Walken verfilmt (Stand Up Guys, USA 2012). Er lebt mit seiner Frau und ihren neun Fischen in Detroit.

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Der zerbrochene Krug 17.05.2018
Heinrich von Kleist (1777-1811)
Ein kostbarer Krug liegt in Scherben und eine Hochzeit ist gleich mit zu Bruch gegangen. Wirklich zerscherbt aber ist in dieser Parodie einer Tragödie Justitia, die Gerechtigkeit.
Es ist Gerichtstag im Provinzstädtchen Huisum in den „vereinten Staaten“ der Niederlande, und Frau Marthe Rull tritt als Klägerin auf. Sie beschuldigt den Verlobten ihrer Tochter Eve, Ruprecht Tümpel, das wertvolle Familienerbstück zerbrochen zu haben, als er in der gestrigen Nacht zu Eve aufs Zimmer schlich. Ruprecht bestreitet das, fordert seinen Verlobungsring zurück und klagt selber an. Eve habe ihn betrogen, den Krug habe ein Nebenbuhler zerbrochen, den er mit eigenen Augen gestern in Eves Garten gesehen. Und Eve selbst? Sie könnte alles aufklären – und kann es eben nicht, nicht, ohne noch größeren Schaden anzurichten. Denn weder Klage noch der Beklagte sind hier eigentlich das Problem – den wirklich problematischen Casus stellt das Gericht selbst dar.

In der Figur des Richters Adam wird Der zerbrochne Krug zur ‚Parodie einer Tragödie’. Kleist selbst weist hin auf die Verbindung seiner Komödie zu der Tragödie schlechthin, zu Sophokles’ König Ödipus. Hier wie dort ist der Richter zugleich der schuldig Angeklagte. Aber wo Ödipus (als König zugleich Richter, die moderne Gewaltenteilung gab es noch nicht) alles daran setzt, den wahren Schuldigen zu finden und die längste Zeit über nicht weiß, dass er selbst der Schuldige ist, da tut Richter Adam alles in seiner Macht stehende, um den wahren Schuldigen verborgen zu halten, sich selbst nämlich. „Mit dem verfluchten Ziegenbock am Ofen focht ich“, versucht er, dem Schreiber Licht die beiden verräterisch neuen Wunden auf seinem kahlen Schädel plausibel zu machen; ein früher Meister in Sachen ‚alternative facts‘ in den „vereinten Staaten“ … Kleist, unser Zeitgenosse.

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Cavalleria Rusticana / Gianni Schicchi 07.06.2018
Zwei Operneinakter von P. Mascagni und G. Puccini – italienisch mit deutschen Übertiteln
Unter den argwöhnischen Augen der Bewohner eines kleinen italienischen Dorfes spielen sich eine Tragödie und eine Komödie ab:

Cavalleria rusticana: Als Turiddu vom Militärdienst heimkehrt, muss er feststellen, dass seine Verlobte Lola in der Zwischenzeit einen anderen Mann geheiratet hat. Er tröstet sich in den Armen von Santuzza, die ihn aufrichtig liebt. Als Lola jedoch wieder Interesse an ihm zeigt, hintergeht er Santuzza und wird Lolas Geliebter. Als deren Ehemann Alfio von der Liebschaft seiner Frau erfährt, fordert Turiddu zum Duell und tötet ihn.

Gianni Schicchi: Am Totenbett beklagen seine Verwandten heuchlerisch das Hinscheiden von Buoso Donati. Doch ihre schlimmste Befürchtung, er könnte sein gesamtes Vermögen den „Klosterbrüdern“ vermacht haben, bewahrheitet sich. Einer der Erben, der junge Rinuccio, möchte die schöne Lauretta heiraten. Ihr Vater Gianni Schicchi gilt als gewiefter Schelm und wird schleunigst herbeigeholt und um Rat gefragt. Prompt heckt er einen spektakulären Plan aus: Um das Testament zu Gunsten der Hinterbliebenen zu fälschen, wird Buoso Donati kurzerhand wieder zum Leben erweckt und Schicchi spielt die Rolle seines Lebens …

Eifersucht und Geldgier gepaart mit Leidenschaft und Spielwitz sind die Katalysatoren der beiden Operneinakter von Pietro Mascagni und Giacomo Puccini. Der Ausgang der jeweils heiklen Situation ist im ersten Fall hochdramatisch, im zweiten wird nach bester Tradition der commedia dell’arte eine zufriedenstellende Lösung für alle herbeigeführt. Was die thematisch gegensätzlichen Werke verbindet, ist jedoch die Unmittelbarkeit der italienischen Tonsprache, die veristische Schilderung des religiös-bodenständigen Dorflebens und die an Filmmusik erinnernde, vor Witz nur so sprühende Lautmalerei.

François De Carpentries, der das hiesige Publikum zuletzt mit seiner Inszenierung von Jules Massenets Oper Manon bezauberte, wird nun die Fäden in die Hand nehmen und die beiden Einakter zu einem szenisch-musikalischen Ganzen verweben.

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Unterwerfung 28.06.2018
nach dem Roman von Michel Houellebecq
Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek
Bühnenfassung von Thomas Blockhaus

Frankreich im Jahr 2022. François, Mitte 40, hat als Professor für Literaturwissenschaften an einer Pariser Universität seinen intellektuellen Zenit überschritten. Frustriert gibt er sich seinen Süchten hin und vereinsamt immer mehr. Als ihn auch die junge Studentin Myriam verlässt, rücken die aktuellen politischen Entwicklungen in Frankreich immer mehr in sein Blickfeld.

Bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl droht ein Sieg des rechten Front National. Um Marine Le Pen als Präsidentin Frankreichs zu verhindern, gehen die Sozialistische und die Konservative Partei ein Bündnis mit der vor kurzem gegründeten demokratischen Muslimbruderschaft ein und installieren deren gemäßigten Vorsitzenden Mohammed Ben Abbes als Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten.
Als es in Paris zu tumultartigen Ausschreitungen kommt und ein Bürgerkrieg droht, verlässt François die Hauptstadt, um aus der sicheren Entfernung der Provinz die weiteren Ereignisse zu beobachten. Tatsächlich gewinnt Ben Abbes die Wahl zum Staatspräsidenten und ändert sofort die laizistische Verfassung Frankreichs. Er führt Theokratie, Scharia, Patriarchat und Polygamie ein, was zu einem deutlich veränderten öffentlichen und politischen Leben führt: Während die Zahlen der Arbeitslosen und die der Verbrechen schnell sinken, wird das gesamte Bildungssystem nach muslimischen Kriterien umgebaut. An erster Stelle der gesellschaftlichen Werteskala steht jetzt die Familie, um die sich vor allem die Frauen zu kümmern haben.

Wieder zurück in Paris erfährt François von seiner sofortigen Beurlaubung bei vollen Bezügen von seiner Lehrtätigkeit. Zu seinem Erstaunen beruhigt sich das Land in den folgenden Wochen. Als er vom charismatischen und zum Islam konvertierten Rektor der Universität umworben wird, um wieder in den Universitätsbetrieb einzusteigen, ist François immer mehr geneigt, sich diesem neuen, von einem gemäßigten Islam geprägten Gesellschaftssystem, zu unterwerfen.

Michel Houellebecq, umstrittener und gefeierter französischer Autor, zielt mit seinem provokant zugespitzten Roman Unterwerfung auf die offenbare Schwäche der unsere westlichen Gesellschaften gestaltenden politischen und intellektuellen Kräfte. Stellvertretend für diese gibt François fast widerstandslos seine gewachsenen christlich-kulturellen Werte auf und unterwirft sich freiwillig einer neuen konservativen Werteordnung, die ihm vor allem ein angenehmes privilegiertes Leben verspricht.

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Souvenirs aus West und Ost 12.07.2018
Ballettabend von Robert North / Musik von George Gershwin und Dmitri Schostakowitsch
///////// In diesem Ballettabend präsentiert Robert North selbst geschaffene Souvenirs: Seine tänzerischen Impressionen vom Leben der Menschen auf verschiedenen Seiten des Globus – in Amerika und in Russland – spiegeln witzig, poetisch, hoffnungsvoll oder nachdenklich die Erkenntnis, dass die Menschen trotz unterschiedlicher Sozialisation und Kultur ähnliche Wünsche und Träume, Sorgen und Ängste haben.
///////// New York, Kuba und Hollywood – mit Songs und sinfonischer Musik von George Gershwin, darunter das berühmte Concerto in F, lässt uns Robert North das Flair dieser legendären Orte nachempfinden: Gershwin, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, beschritt als Komponist neue Wege durch die Verbindung von Sinfonik und Jazz und eroberte mit dieser elektrisierenden, den Puls der Zeit erkörpernden Musik Broadway und Konzertsaal gleichermaßen. Vitalität und mitreißende Rhythmen sind der Garant für den ungebrochenen Erfolg Gershwins und eine nicht versiegende Inspirationsquelle für den Choreografen.
///////// Zu Beginn der 1990er Jahre, nachdem Michail Gorbatschow in der damaligen Sowjetunion das Prinzip Glasnost und Perestroika durchgesetzt und eine Annäherung des Landes an den Westen ermöglicht hatte, reiste Robert North nach Moskau und St. Petersburg: Es ist
eine Zeit des Aufbruchs. Ein Taxifahrer zeigt ihm die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Menschen gehen ihren Geschäften nach, junge Leute in Bluejeans tanzen Rock’n’Roll, alte Frauen treffen sich in der Kirche zum Teetrinken und Schwatzen. Es ist eine offene, bunte Gesellschaft.
///////// Diese Erlebnisse gestaltet Robert North im Tanz. Dazu wählt er Musik von Schostakowitsch, z. B. aus der Gadfly-Suite, den Ballett-Suiten und dem Klavierkonzert Nr. 2, und wir entdecken dabei die leichtere, unterhaltsame Seite Schostakowitschs, der sich in den 1920er Jahren als Pianist in den Kinos von St. Petersburg durchschlug und später auch viel Filmmusik schrieb.

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