Macbeth20.05.2017

 
 
 
Beschreibungen

Kein schöner Land (UA) 29.10.2016
Zeitbild von. Lothar Kittstein und. Hüseyin Michael Cirpici
Muß i denn, muß i denn… Die wöchentliche Chorprobe im Gemeindesaal sollte beginnen wie immer, aber auf dem Klavier liegt auf einmal ein Schwarzer: „Ich möchte mitmachen in Ihrem Chor.“ Die Chormitglieder fallen in verblüfftes Schweigen, ein Hausmeister fegt stoisch den Saal. Der Eindringling macht keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Wer er sei, will der Chor wissen. Ein Flüchtling, sagt er. Aus Afrika. Aus Syrien. Aus dem Irak. Aus dem Iran. Mit kaum verhohlener Aggressivität machen die Sängerinnen und Sänger dem Flüchtling klar, welche Regeln hierzulande so gelten. Dann aber dreht sich der Wind und jemand erzählt, wie er sich in einen Flüchtling verliebt hat. Befremden und Neugier, Abwehr und Empathie beginnen wild durcheinander zu gehen, und schließlich hallen in den Köpfen des Chores Echos der Flüchtlingsgeschichten nach, vermengen sich mit eignen Erfahrungen. Weiter geht es mit gemischten Stimmen.

Im Sommer 2015 bekam das Autorenteam Lothar Kittstein und Hüseyin Cirpici den Auftrag, ein Stück zum Thema „Flüchtlinge“ für das Theater Krefeld und Mönchengladbach zu schreiben. Wenig später kamen Tausende und Tausende Menschen neu in Deutschland an, Schutz und Hilfe suchend. Zu ihrer Begrüßung flogen Teddybären, es flogen aber auch Brandsätze. Kittstein und Cirpici spürten, dass ein Stück über Flüchtlinge auch eines über die Gesellschaft, die sie empfängt, sein musste. Sie führten einerseits Interviews mit Geflüchteten, in Begegnungscafés und Wohnheimen. Andrerseits sammelten sie Stimmen, wie sie auf Facebook oder in Internet-Kommentaren laut wurden.

„Deutschland 2015/16, das verdichtete sich für uns in einer Zeitungsmeldung,“ beschreibt Lothar Kittstein, wie die Idee zur Grundsituation des Stücks entstand. „Ein Männerchor irgendwo im Süddeutschen probt, da geht die Tür auf, und ein Flüchtling aus Afrika steht da, der fragt, ob er mitmachen kann. Der Chor in dieser absurden Schrecksekunde, als der Fremde auftaucht, das ist für uns Deutschland – ein Land, dessen kollektive Schrecksekunde immer noch dauert.“

Kein schöner Land erzählt die spannende Geschichte der Begegnung eines Chors mit einem Fremden, erzählt vom Aufeinanderprallen verschiedener Welten: Eine Geschichte mit offenem Ausgang.

Der Dramatiker Lothar Kittstein und der Regisseur und Autor Hüseyin Michael Cirpici haben gemeinsam bereits mehrere literarische Reportagen und Hörspiele geschrieben, darunter das im Jahr 2010 vom Deutschlandfunk produzierte Feature „Fluchtpunkt Agcasar“, das Migrationsgeschichten aus einem Dorf in Anatolien erzählt. Für Kein schöner Land, einem Auftragswerk des Theaters Krefeld und Mönchengladbach, haben sie ihre erprobte Kombination aus Recherche und Fiktionalisierung erstmals für das Theater fruchtbar gemacht.

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Wir sind Borussia (UA) 19.11.2016
Revue v. Martin Maier-Bode u. Tobias Wessler
Ja, wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein,
Borussia unser Dream-Team, denn Du bist unser Verein!

Endlich! Die Borussia-Revue ist da! Live in Mönchengladbach. Moderiert von ‚Delling und Netzer’, dem schon klassisch gewordenen Kommentatorengespann, werden die alten Zeiten des Mönchengladbacher Fußballs wieder lebendig: Von Berti Vogts über Stefan Effenberg bis zu Lothar Matthäus, die, wie viele andere auch, den Grundstein ihrer Karriere bei Borussia Mönchengladbach legten. Kaum etwas Anderes bringt hierzulande die Emotionen so zum Kochen wie Fußball. So auch in der Borussia-Klause der Fohlenelf, als vor dem Heimspiel gegen Köln der Geißbock Hennes – das Maskottchen des FC Köln – verschwindet!
Von ‚Fußball verbindet’ kann zwischen den ehemaligen Freunden Siggi, Rudi, Schicki und Horst sowieso nicht mehr die Rede sein. Denn Horst und seine Tochter Lena sind Köln-Fans geworden. Schlimmeres gibt es für die Gladbach-Fans nicht! Und dann verliebt sich auch noch der Sohn des Fanclub-Präsidenten in Lena und steht somit der Entführung des berühmten Geißbocks im Wege …
Werden Freundschaft, Liebe und die Borussia dennoch siegen?

Exklusiv für das Gemeinschaftstheater Krefeld Mönchengladbach wurde Wir sind Borussia von Schauspieler und Theaterproduzent Tobias Wessler und dem Kabarettisten und Regisseur Martin Maier-Bode geschrieben. Liebevoll und bisweilen tragikomisch erzählen sie von den Sorgen, Nöten und Freuden der Borussia-Fans und, mit viel Musik und Humor, ein Stück Vereinsgeschichte des VfL.

Das Schauspielensemble des Gemeinschaftstheaters und die allseits bekannte Live-Band um Willi Haselbek, unterstützt von sechs Tänzerinnen in vielen verschiedenen Rollen präsentieren eine große Fußball-Show im Theater – nicht nur für Borussia-Fans!

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Marlene Judy Marilyn (UA) 17.12.2016
Musikal.- szenischer Abend von Roland Hüve
Eine Garderobe im Theater. Schminktische, Kleiderständer, Requisiten. Die Luft vibriert von Erinnerungen an erfüllte und unerfüllte Sehnsüchte und an den Adrenalin-Kick, ohne den nichts geht im Showbusiness. Drei Darstellerinnen treffen ohne ersichtlichen Grund aufeinander und schlüpfen in ihre Lieblingsrollen, drei der größten Musik- und Filmlegenden des 20. Jahrhunderts: Marlene Dietrich, Judy Garland und Marilyn Monroe!

Hat das Schicksal sie zusammengeführt? Oder einfach nur die abendliche Spielverpflichtung? Was sie verbindet, ist der Moment vor ihrem letzten Konzert, was sie (eigentlich) trennt, sind die Grenzen von Zeit und Raum, die für einen Abend aufgehoben werden. Sie trinken Kaffee, erinnern sich, lachen, wetteifern, produzieren sich und provozieren einander, oder erzählen einfach nur: von Höhenflügen und tiefen Abstürzen, von Eitelkeiten und Ängsten, von Männern und Moneten. – Mal sentimental und privat, mal virtuos ihre Unsicherheit überspielend. Sehnsuchtsort Hollywood, Drogen, Make-up und das geliebt-gehasste Rampenlicht: The show must go on!

Als Auftragswerk für das Gemeinschaftstheater hat sich Roland Hüve, Regisseur der Erfolgsproduktion „My Fair Lady“, mit den Biografien der Superstars Marlene Dietrich, Judy Garland und Marilyn Monroe beschäftigt und daraus einen zauberhaften, kurzweiligen Abend geschaffen: Zwischen den großen Songs, die untrennbar mit den drei Diven verbunden sind, bleibt Raum für Schlaglichter auf ihre Lebensgeschichten, für emotionale Momente und Situationskomik …

Der Krefelder Musiker Heinz Hox übernimmt nicht nur die musikalische Leitung, sondern schreibt auch die Arrangements der weltberühmten Hits dieser drei Ausnahmekünstlerinnen und gehört außerdem der vierköpfigen Liveband an, die den Sängerinnen allabendlich den swingend-jazzigen roten Klangteppich ausrollt.

Liveband:
Heinz Hox (Klavier)
Marcus Bartelt (Saxophon / Klarinette / Flöte)
Nico Brandenburg (Bass)
Andy Pilger (Drumset)

Aufführungsdauer: 1 Stunde 45 Minuten – ohne Pause

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Rhapsodie und Rumba (UA) 14.01.2017
Ballett von Robert North
Franz Liszt revolutionierte das Klavierspiel durch neue Spieltechniken und höchste Virtuosität und trat in Konzertsälen und Salons als Interpret eigener Kompositionen in Erscheinung. In seiner Musik spiegelt sich der Zeitgeist der Romantik: Subjektivität in Ausdruck und Gefühl, Freiheit in der künstlerischen Gestaltung. Diesem Credo entsprechen musikalisch offene Formen wie Rhapsodie, Fantasie oder Etüde.
Unter dem Titel Rhapsodie kreiert Ballettdirektor Robert North tänzerische Kurzgeschichten zur Musik von Franz Liszt, die gefühlsbetont, poetisch, bildhaft und majestätisch ist, mal balladesk erzählend, mal bruchstückartig zerrissen wirkt und am Flügel von André Parfenov brillant interpretiert wird.
Mit der Choreografie Boom boom widmet sich Robert North der reichhaltigen Tradition des Blues und lässt sich von dieser populären afroamerikanischen Musik tänzerisch inspirieren.
?Rumba? ist eine Hommage an die spanische Kultur, in der Tanz und Musik eine untrennbare Einheit bilden: Ausgehend vom Flamenco mit seinen typischen Gitarrenklängen und markanten Rhythmen zeigt Robert North, wie sich musikalische Entwicklungen im Tanz widerspiegeln, traditionelle Tanzformen sich verändern und durch neue musikalische Einflüsse auch neue Tänze entstehen. So schuf er die Choreografie Entre dos aguas (Zwischen zwei Wassern) nach der Musik des englischen Komponisten Simon Rogers und des spanischen Gitarristen Paco de Lucia, worin sich Elemente des Flamenco und des Jazz begegnen jene zwei Wasser also, die sich auch in der Rumba vereinen. Dementsprechend vielfältig und lebendig präsentiert sich der zweite Teil des Ballettabends mit temporeichen Variationen aus Flamenco, Bolero, Jazzdance und Rumba.

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Der Barbier von Sevilla 28.01.2017
Commedia von Gioacchino Rossini
Figaro, der beste Barbier von ganz Sevilla, hat alle Hände voll zu tun. Und das nicht nur mit den Frisuren, sondern auch mit den Problemen seiner Kundschaft. Graf Almaviva ist in heißer Liebe zur jungen, schönen und reichen Rosina entbrannt! Da sie allerdings unnachgiebig von ihrem Oheim Doktor Bartolo bewacht wird – der sich in ihr Vermögen verliebt hat und sie selbst heiraten will –, ist eine pfiffige Annäherungsstrategie vonnöten: Figaro gibt den Startschuss für eine atemberaubend schnelle und gewagte Inszenierung, um Rosina ihrem Vormund zu entreißen und Almaviva zuzuführen…

Nach seinen erfolgreichen Inszenierungen Die Hochzeit des Figaro und Don Giovanni widmet sich Kobie van Rensburg in seiner neuen Arbeit für das Gemeinschaftstheater nun diesem Meisterwerk der komischen Oper. Die Presse feierte die Neuinszenierung von „Der Barbier von Sevilla“, die in der Spielzeit 2015/2016 in Krefeld ihre Premiere hatte, als den „spektakulärsten und hippsten Barbier weit und breit“ (Online Music Magazin), als „the worlds first low-budget Blue-Screen-Opera“ (Financial Times), als einen „großen Coup, der mit High-Tech-Finessen arbeitet, wie es bisher auf keiner deutschen Bühne zu sehen war“ (Rheinische Post) und schrieb über den Premierenabend: „Am Schluss stand das Haus Kopf. Wohl noch nie ist am Theater Krefeld/Mönchengladbach über eine Aufführung ein solcher Jubelsturm hereingebrochen.“ (klassikinfo.de)

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Schuld und Sühne 18.02.2017
von Fjodor M. Dostojewski
in der Fassung von Andrzej Wajda
Der überaus begabte, aber bitterarme Rodion Raskolnikow muss aus finanziellen Gründen sein Jurastudium aufgeben. Dennoch lässt ihn eine rechtliche und moralische Fragestellung nicht los und er entwickelt seine Theorie des „erlaubten Mordes“, die besagt, dass ein besonderer Mensch „lebensunwertes“ Leben vernichten darf, um Höheres zu erreichen.
Und das setzt er in die Tat um: Er erschlägt die herzlose Wucherin Aljona Iwanowna. Mit ihrem Geld möchte er nicht nur sein Studium wiederaufnehmen, er fühlt sich auch zu einem besseren Leben berechtigt, aufgrund seiner herausragenden Nützlichkeit für die Gesellschaft. Iwanowa ist für ihn „nicht besser als eine Laus“, eine raffgierige Alte, die ihr Vermögen der Kirche vermachen möchte.
Aber im Grunde seines Herzens widert ihn die Ausführung des Mordes an, seine moralischen Bedenken versucht er durch vernunftgeführte Argumente zu vertreiben. Doch nach der Tat wird sein Gedankenkonstrukt von der Realität seiner Schuldgefühle außer Kraft gesetzt.

Schuld und Sühne ist einer der besten Kriminalromane aller Zeiten, der ein fast perfektes Verbrechen beschreibt, da der Untersuchungsrichter Porfirij Petrowitsch die Schuld Raskolnikows nicht beweisen kann.

Im Mittelpunkt der Theaterfassung des berühmten polnischen Film- und Theaterregisseurs Andrzej Wajda, der Schuld und Sühne bereits 1987 an der Berliner Schaubühne inszenierte, steht das kluge Verhör, mit dem Porfirij Raskolnikow schließ lich an seinem schwächsten Punkt zu packen bekommt –seinem schlechten Gewissen.
Mit psychologischem Scharfblick erforscht Dostojewski die Abgründe der menschlichen Seele, die jedoch einer Abkehr von menschlichem Mitgefühl letztlich nicht standhalten. Schuld und Sühne lässt bewusst werden, was passiert, wenn Menschen einander nach ihrem vermeintlichen, sozio-kulturellen Wert beurteilen und verurteilen, und welche fatalen Folgen ein solches ‚Wertigkeits-Ranking’ haben kann. Damit ist das Werk auch in unserer heutigen politischen und gesellschaftlichen Welt hoch aktuell und regt zur eingehenden Diskussion an.

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Sinfonie des Lebens (UA) 25.03.2017
Ballett von Robert North
Dieser dreiteilige Ballettabend von Robert North mit Musik der klassischen Moderne spiegelt das Leben in all seinen Facetten wie auch die Dialektik von Leben und Tod auf sehr emotionale Weise mit den Mitteln des Tanzes wider. 2003 kreierte Robert North zum 25-jährigen Bestehen der Heinz Bosl-Stiftung in München eine Choreografie für die Stipendiaten der Stiftung und wählte hierfür die 1934 entstandene Simple Symphony von Benjamin Britten aus: eine – wie der Titel schon sagt – bewusst einfach gestaltete Musik für Streichorchester, die jedoch eine Fülle neuer Ideen enthält. North schuf passend dazu einen Tanz über die Energie und Kraft der Jugend, voll überschäumender Lebensfreude.

Mit der anschließenden Choreografie „Der Schlaf der Vernunft“, die North zur Musik von Dmitri Schostakowitsch entwickelte, folgt auf den unbekümmerten Überschwang der Jugend der Ernst des Lebens: Nach Texten von Federico Garcia Lorca, Guillaume Apollinaire, Rainer Maria Rilke und Wilhelm Küchelbecker komponierte Dimitri Schostakowitsch 1969 seine 14. Sinfonie für Streichorchester, Perkussionsinstrumente und zwei Gesangssolisten. Tiefgründig und ergreifend thematisiert diese Musik das durch Krieg verursachte Leid der Menschen. Schostakowitsch widmete sie seinem Freund und Komponistenkollegen Benjamin Britten, dessen War Requiem ihn ebenso inspirierte , wie Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes.

Robert North kreierte eine Folge dramatischer Tänze, die mit den Liedtexten und -stimmungen inhaltlich korrespondieren und den immerwährenden Kampf zwischen Leben und Tod tänzerisch zum Ausdruck bringen. „Die Sinfonie des Lebens“ wird mit einer neuen Kreation von Robert North enden, Thema und Musik für diese Uraufführung sind jedoch noch offen und werden rechtzeitig bekannt gegeben.

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Minna von Barnhelm 08.04.2017
Komödie von Gotthold E. Lessing
Komödie in fünf Akten von Gotthold Ephraim Lessing {1729 – 1781}

„O, über die wilden, unbiegsamen Männer, die nur immer ihr stieres Auge auf das Gespenst der Ehre heften! Für alles andere Gefühl verhärten!“

Nach dem siebenjährigen Krieg hat der preußische Major von Tellheim
gegenüber dem Kriegsfeind Sachsen Mitleid und einigt sich mit ihm auf die
kleinstmögliche Summe von Reparationsforderungen – die er auch noch aus eigener Tasche vorstreckt. Als er unehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen wird, verleumdet wegen seiner großen Milde und wegen Korruption angeklagt, versteckt sich Tellheim vor seiner Verlobten Minna von Barnhelm in einem heruntergekommenen Hotel in Berlin.
Doch die selbstbewusste und mutige junge Frau wendet sich gegen die Konvention und reist ihm nach. „Mit einem Lieben Sie mich noch?“ stellt sie ihn zur Rede. Durch seinen Statusverlust fühlt er sich ihrer nicht mehr würdig: Unmöglich ist es für ihn, „sein ganzes Glück einem Frauenzimmer zu verdanken.“
Als Mann von Charakter gilt für ihn jetzt nicht mehr die Liebe, sondern das
Prinzip. Aber Minna lässt sein übertriebenes Ehrgefühl nicht gelten und
beginnt ein geschicktes Wort- und Verwirrspiel: Sie gibt Tellheim vermeintlich ihren Verlobungsring zurück – doch es ist sein eigener, den er beim Wirt verpfänden musste – und deutet an, dass sie seinetwegen enterbt worden sei.
Nun beginnt Tellheim seinerseits um sie zu werben. Minna bleibt kalt und hält ihm den Spiegel vor: Sein Mitleid mache jetzt ihrerseits eine Heirat unmöglich – und spätestens hier werden die tragischen Züge der Komödie sichtbar.
Von Lessing durchaus beabsichtigt: „Das Possenspiel will nur zum Lachen bewegen, das weinerliche Lustspiel will rühren, die wahre Komödie will beydes.“

Lessings Minna von Barnhelm, ur-aufgeführt 1767 in Hamburg, ist eine
spielerisch-lustvolle Auseinandersetzung mit starren gesellschaftlichen Mustern, männlicher Vernunft und moralischer Eitelkeit, die mit zweierlei Maß misst: Tellheim kann nicht nehmen, ohne zu geben – und ist hoffnungslos überfordert von seiner emanzipierten Verlobten. Der Sprachwitz des Autors, der in der Redegewandtheit der aufgeklärten Braut
voll zur Geltung kommt, erhöht die Komik und die Ernsthaftigkeit des Stücks.
Zugleich ist es ein großartiges Plädoyer für menschliches Verhalten in kriegeri-schen Zeiten.

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Macbeth 20.05.2017
Tragödie von William Shakespeare
Es sind Hexen, die mit Blitz und Donner dieses Stück eröffnen, das sollte man nicht vergessen. In England hüten sich Schauspieler bis heute, die Tragödie während der Probenzeit anders als das schottische Stück zu benennen, um nicht mit dem Aussprechen des Namens Macbeth einen Fluch auf sich zu ziehen. Aber das scheue Flüstern rührt womöglich von etwas andrem: von einer ehrfürchtigen Scheu gegenüber dem Spiel mit blutigem Ernst.

Die Hexen tauchen wieder auf, als Macbeth das erste Mal auf der Bühne erscheint. Als siegreiche Kriegsherren ziehen er und Banquo nach Hause, da stolpern sie im Gewittersturm fast über die bärtigen Schwestern. Die Hexen prophezeien Macbeth, er werde König werden. Und fortan beschreitet Macbeth den Weg, der ihm vorgezeichnet scheint. Den Weg, den er beschreiten will – und den er größte Angst hat zu beschreiten.

Er beginnt zu morden, und wo er zurückschreckt, da drängt Lady Macbeth ihn weiter. Ein Mord zieht den andern nach sich, bis Macbeth erkennen muss, dass er den blutigen Weg so weit gegangen ist, dass es kein Zurück mehr gibt. Der Alptraum nimmt kein Ende. Da tauchen erneut die Hexen auf und wiegen Macbeth in Sicherheit: Solange nicht der Wald von Birnam sich in Marsch setze, habe er nichts zu befürchten.
Der Thriller vom ehrgeizigen Politiker mit der noch ehrgeizigeren Frau an seiner Seite, der sich an die Macht mordet und zum Machterhalt weitermorden muss, bis er allein gegen die ganze Welt zu kämpfen hat – das ist nur der halbe Macbeth.

Das ist der politische Mechanismus, wie der polnische Theaterkritiker Jan Kott sagt, der überdeckt wird vom Alptraum, der in diesem Stück wabert und wütet. Die Hexen in Macbeth sind keine Folklore. Sie tragen nicht die Kostüme aus dem Weihnachtsmärchen, sondern sind Ausdünstungen des sich – bei aller Aufgeklärtheit und Fortschrittlichkeit – hinter unserem Rücken tagtäglich vollstreckenden Grauens. Und die Tragödie von Macbeth ist, dass er den Alptraum von A bis Z erleidet, dass ihn das Böse, das er in die Welt setzt, selbst auffrisst.

Ein schwarzes Meisterwerk Shakespeares.

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Orpheus und Eurydike 17.06.2017
Oper von Christoph W. Gluck
Orfeo beweint das Ableben seiner jungen Gattin Euridice und wünscht nichts sehnlicher, als sie aus der Unterwelt ins Leben zurückzuholen. Sein Trauergesang ist so innig, so herzerweichend, dass die Götter Mitleid haben und seine Bitte erfüllen: Er darf Euridice aus dem Hades zurückführen – allerdings unter der Bedingung, sie nicht anzusehen und nicht mit ihr zu sprechen, bis sie wieder in der Welt der Lebenden angelangt sind. Euridice aber, die von der Absprache nichts weiß, kann das Handeln ihres Mannes nicht deuten. Sie fleht ihn an, ihr ein Zeichen seiner Liebe zu geben. Gerührt von ihrem Flehen, missachtet Orfeo das Gebot der Götter, wendet sich ihr zu und verliert sie erneut. Doch sein Wehklagen kann die Götter ein weiteres Mal erbarmen und am Ende der Oper steht – anders als im griechischen Mythos – ein Happy End (Lieto fine) für die einander innig liebenden Eheleute.

Rund 150 Jahre nach Claudio Monteverdi, der mit seinem L’Orfeo (1607) eine der ersten Opern überhaupt geschrieben hat, wählte Christoph Willibald Gluck denselben Mythos, um seine Idee einer Reformoper zu verwirklichen: Die Oberflächlichkeit und der Starkult um die Sänger der italienischen Barockoper hatten ein Ausmaß erreicht, dem er gegensteuern wollte. Er sehnte sich nach mehr Natürlichkeit im Gesang, nach textbezogener Gestaltung der Kantilenen und war insgesamt der Auffassung, dass die Musik unter allen Umständen im Dienste der Handlung stehen sollte. Mit seiner Vertonung von Orfeo ed Euridice (Uraufführung am 5. Oktober 1762 am Wiener Burgtheater) führte Gluck vor, wie durch Klarheit und Einfachheit der Kompositionsmittel eine überzeugende, intensive Ausdruckskraft erzielt wird. Auch inhaltlich gestaltete er seine Oper neu: Im Sinne der Aufklärung und des aufstrebenden Bürgertum stellt Gluck mit den beiden Protagonisten und ihrem Schicksal keine Herrscher und mächtigen Ränkespiele in den Fokus, sondern das private Glück zweier Liebender.

Nach dem großen Erfolg von Carmina Burana wird Orfeo ed Euridice erneut eine spartenübergreifende Arbeit mit Solistinnen des Musiktheaters, Tänzerinnen und Tänzern der Ballettkompanie und dem Opernchor sowie den Niederrheinischen Sinfonikern unter der stilsicheren Stabführung eines Experten für Alte Musik, Werner Ehrhardt, der für diese Produktion als Gastdirigent gewonnen werden konnte.

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